Wir verstehen individuelle Förderung als zentrales Prinzip unseres pädagogischen Handelns. Wir wollen allen Kindern – unabhängig von Herkunft, Leistungsstand oder besonderen Bedürfnissen – bestmögliche Lern- und Entwicklungschancen eröffnen. Dafür arbeiten wir systematisch und verbindlich, orientieren uns an den Vorgaben des Landes NRW und richten unsere Maßnahmen an den konkreten Rahmenbedingungen unseres Schulstandorts aus. Unser Unterrichts- und Förderkonzept ist so angelegt, dass Diagnostik, Förderung, Unterrichtsgestaltung, Beratung und Evaluation ineinandergreifen und gemeinsam die Grundlage für ein inklusives, kindgerechtes und zeitgemäßes Lernen bilden.
Damit Förderung nicht zufällig, sondern verlässlich gelingt, verankern wir sie schulorganisatorisch fest. Wir arbeiten wöchentlich in Jahrgangsteams: Klassenleitungen, Fachlehrkräfte und sozialpädagogische Fachkräfte analysieren gemeinsam Lernstände, stimmen Förderpläne ab und koordinieren die Umsetzung von Fördermaßnahmen. Diese kontinuierliche Zusammenarbeit stärkt unsere multiprofessionelle Kooperation und sichert, dass Förderung im Jahrgang einheitlich geplant, umgesetzt und überprüft wird. Ergänzend nutzen wir – nach Möglichkeit – Team-Teaching in ausgewählten Unterrichtsstunden. Zwei pädagogische Fachkräfte (z. B. Klassenleitung und Fachlehrkraft oder sozialpädagogische Fachkraft) planen gemeinsam, unterrichten gemeinsam und reflektieren anschließend zielgerichtet. So erhöhen wir die individuelle Unterstützung, ermöglichen flexible Differenzierung und stärken die Umsetzung inklusiver Unterrichtssettings.
Sprachbildung ist an unserer Grundschule Hottenstein eine durchgängige Querschnittsaufgabe und wird in allen Fächern und Lernsituationen mitgedacht. Wir fördern Wortschatz, Sprachhandlungen (z. B. erzählen, beschreiben, begründen, erklären) sowie Lesen und Schreiben systematisch und knüpfen dabei an unsere Diagnostik- und Förderstrukturen an. Sprachliche Anforderungen werden im Unterricht transparent gemacht und durch Visualisierungen, sprachliche Gerüste (z. B. Satzstarter, Wortlisten, Textmuster) und gezielte Übungsroutinen unterstützt. Maßnahmen der Sprachbildung werden in den Jahrgangsteams abgestimmt, dokumentiert und regelmäßig auf Wirksamkeit überprüft. Die verbindlichen Standards, Zuständigkeiten, Diagnose- und Förderwege sowie die Jahresplanung sind im Sprachbildungskonzept festgelegt.
Ein weiterer Baustein unserer Förderstruktur ist unser Rückzugsraum als ergänzender Lernort. Wir nutzen ihn gezielt für Kurzförderungen, Selbstregulationsphasen oder konzentriertes Arbeiten. Jahrgangsteams vereinbaren Kriterien für die situative Nutzung, definieren Ziele, dokumentieren Auswahl, Zielsetzung und Ergebnisse und reflektieren die Wirksamkeit regelmäßig. Bei wiederkehrender Nutzung informieren wir Eltern. Wo es organisatorisch möglich ist, begleiten wir diese Phasen auch über Team-Teaching, um Lernzeiten wirksam zu nutzen und Kinder in herausfordernden Situationen verlässlich zu unterstützen.
Unsere Förderung gelingt nur im engen Zusammenspiel mit den Eltern. Deshalb ist Elternberatung ein zentraler Bestandteil unseres Konzepts. Wir vereinbaren regelmäßige Beratungstermine, sprechen transparent über Lernentwicklung und Förderziele und beziehen familiäre Ressourcen gezielt ein. So stärken wir die Erziehungspartnerschaft, schaffen Verlässlichkeit und erhöhen die Wirksamkeit unserer Fördermaßnahmen.
Für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf bieten unsere sozialpädagogischen Fachkräfte wöchentlich gezielte Fördergruppen an. In Kleingruppen fördern wir bedarfsorientiert Schwerpunkte wie Motorik, Konzentration, Sprache und Vorläuferfähigkeiten. Die Zuteilung erfolgt auf Grundlage diagnostischer Beobachtung; Inhalte werden zielgerichtet geplant und im Team rückgekoppelt. Durch diese intensive Arbeit können Entwicklungsrückstände bearbeitet, Basiskompetenzen gestärkt und Lernbereitschaft aufgebaut werden.
Im Unterricht setzen wir konsequent auf selbstgesteuertes, offenes Lernen, damit Kinder auf ihrem Niveau arbeiten und Verantwortung für ihr Lernen übernehmen können. Für Kinder mit besonderem Förderbedarf erstellen wir wöchentlich individuelle Arbeitspläne, die konkrete Lernziele aufnehmen, Arbeit in passendem Tempo ermöglichen und Selbstorganisation stärken. Darüber hinaus sind Freiarbeitszeiten verbindlich im Stundenplan verankert: Lernstationen, Lerntheken und fächerübergreifende Projekte schaffen vielfältige Zugänge, fördern Kreativität und ermöglichen kooperatives Lernen. Wir nutzen offene Lernformen, um Differenzierung selbstverständlich zu machen und zugleich soziale Kompetenzen durch Zusammenarbeit, gegenseitige Unterstützung und gemeinsame Verantwortung zu entwickeln.
Digitale Medien sind fester Bestandteil unseres Unterrichts. In der Schuleingangsphase stehen Tablets mit ausgewählten Lern-Apps zur Verfügung, die sich adaptiv an das Leistungsniveau der Kinder anpassen. Wir steuern und begleiten den Medieneinsatz gezielt, dokumentieren Lernfortschritte und nutzen digitale Angebote als motivierendes Übungsformat, das Differenzierung erleichtert und Medienkompetenz aufbaut.
Zur Basisförderung und als niedrigschwellige Differenzierungsimpulse sind ritualisierte Elemente im Schulalltag verankert. Die „Zahl der Woche/ des Tages“ und der „Satz der Woche“ werden morgens eingeführt und im Unterricht vertieft. Dadurch festigen wir grundlegende mathematische und sprachliche Kompetenzen kontinuierlich und schaffen zugleich Möglichkeiten der Differenzierung nach oben und unten im gesamten Klassenverband. Insgesamt bildet eine ritualisierte Tagesstruktur mit wiederkehrenden Elementen (z. B. Morgenkreis, strukturierte Arbeitsphasen, Reflexionsrunden und Abschlussrituale) das Fundament unseres Unterrichts: Sie gibt Sicherheit und Orientierung, stärkt Selbstregulation und unterstützt besonders Kinder mit zusätzlichem Unterstützungsbedarf.
Neben Basisförderung sichern wir auch Fachdifferenzierung und Leistungsförderung. Leistungsstarke und besonders begabte Kinder erhalten in allen Fächern regelmäßig Forderaufgaben, die vertiefend und erweiternd angelegt sind und Unterforderung vorbeugen. Bei besonderem Förderbedarf oder Hochbegabung erstellen wir – nach Diagnostik und Beratung – ebenfalls individuelle Arbeitspläne, die Stärken, Interessen und Entwicklungsfelder aufnehmen und regelmäßig angepasst werden. Offene Lernformen und moderne Lernarrangements (z. B. Lernwerkstätten, fächerübergreifende Vorhaben; je nach Klasse auch Elemente des Churer Modells) nutzen wir, um eigenverantwortliches und kooperatives Lernen zu fördern, vernetztes Denken zu stärken und Kompetenzen in unterschiedlichen Kontexten anzuwenden.
Ein verbindlicher Baustein unserer Leseförderung ist die Lesezeit: In jeder Klasse sind wöchentlich dreimal 20 Minuten eingeplant. Die Terminierung erfolgt durch die Klassenleitungen im Wochenplan und wird mit Diagnostik- und Förderzielen verknüpft. Eine zeitgleiche Durchführung in allen Klassen ist nach unserer Evaluation nicht mehr verpflichtend. Inhalte der Lesezeit greifen individuelle Förderpläne auf (z. B. zusätzliche Leseaufträge), werden in Jahrgangsteams abgestimmt und regelmäßig überprüft.
Wir fördern eine partizipative Schulkultur und stärken Sozialkompetenz als Voraussetzung für gelingendes Lernen. Dazu sind Klassenrat und Schulparlament feste Bestandteile: Ab Klasse 2 tagt unser Schulparlament monatlich, der Klassenrat findet regelmäßig statt. Kinder beraten dort Anliegen, regeln das Miteinander und übernehmen Verantwortung – auch für die Protokollführung und die Nachverfolgung von Ergebnissen. Zusätzlich unterstützen wir Verantwortung im Alltag über Klassendienste und ein System von Helferkindern (Peer-Tutoring im Unterricht und Patenkinder für Kinder in der Schuleingangsphase), sodass alle sich gegenseitig im Lernen und im Schulalltag unterstützen.
Gesundheit und Struktur gehören für uns zur Lernförderung. Wir führen nach längeren Arbeitsphasen angeleitete Bewegungspausen durch, die Konzentration, Wohlbefinden und motorische Entwicklung stärken. Jahrgangsbezogene Dienste (z. B. Pausenspielausleihe, Toilettendienst, Müll-/Spickdienst) sind Teil unserer Präventions- und Gesundheitsarbeit und werden in unserem BNE-Abschnitt näher beschrieben.
Grundlage unseres Förderns ist eine kontinuierliche Diagnostik. Wir nutzen Eingangstests, Beobachtungen und regelmäßige Lernstandserhebungen und leiten daraus Förderpläne ab, die wir mit Eltern abstimmen und regelmäßig anpassen. Aktuell erheben wir u. a. folgende Diagnostiken: In der Schuleingangsphase HSP, Stolperwörterlesetest sowie das Flex-und-Flo-Diagnoseheft; in Klasse 3 HSP, Stolperwörterlesetest, Kopfrechnen und Lernwörter; in Klasse 4 Stolperwörterlesetest, Matheolympiade und Lernwörtertests in Form von wöchentlich bewerteten Kurzdiktaten. Die Wirksamkeit unserer Maßnahmen überprüfen wir fortlaufend über Lernstandserhebungen, Rückmeldungen und weitere geeignete Verfahren; Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung unseres Konzepts ein, damit Qualitätsverbesserung kontinuierlich und praxisnah erfolgt.
Ein wesentliches Qualitätsmerkmal ist unsere multiprofessionelle Zusammenarbeit. Klassenleitungen, Fachlehrkräfte, sozialpädagogische Fachkräfte und externe Partner (z. B. Beratungsstellen) arbeiten strukturiert zusammen. Regelmäßige Teamtreffen und gezielte Fortbildungen stärken diese Kooperation. Unser Unterrichts- und Förderkonzept ist fest in unser Schulprogramm eingebunden und bezieht sich auf die im Schulportfolio dokumentierten Rahmenbedingungen, Entwicklungsziele und Evaluationsmaßnahmen. So stellen wir sicher, dass individuelle Förderung nicht als Zusatz, sondern als tragendes Prinzip in allen schulischen Prozessen umgesetzt wird.
